78. Tagung

Verkehrszentrum des Deutschen Museum am Bavariapark in München
Über 90 Teilnehmer, 14 Aussteller und elf hochkarätige Referenten trafen sich von 8. bis 10. März zur Frühjahrstagung 2019 des Münchner Arbeitskreises für Straßenfahrzeuge MAS e.V. im Eden Hotel Wolff in München. Als gemeinsames Rahmenprogramm fand am Freitagabend eine Führung zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Automobils durch das Verkehrszentrum des Deutschen Museums statt. Im Anschluss daran wurde zum Ausklang des Tages bei frisch aus dem Holzfass gezapftem Augustiner Bier und guten Gesprächen im Wirtshaus am Bavariapark gemeinsam zu Abend gegessen.

Zu Beginn der Tagung bat der Präsident des MAS e.V. Herr Prof. Dr.-Ing. Hans Bäumler die Tagungsteilnehmer, für den Ende Januar im Alter von 83 Jahren verstorbenen Herrn Prof. Dipl.-Ing. Johannes Halm in Stille zu gedenken. Mit Herrn Prof. Dipl.-Ing. Johannes Halm verliere der MAS e.V. einen Freund und Förderer, so die Worte des Präsidenten. Herr Professor Halm war ein Urgestein des Sachverständigenwesens, Träger der Professor-Helmut-Ungerer-Medaille und hatte den MAS e.V. durch seine Mitarbeit im wissenschaftlichen Beirat sowie durch seine zahlreichen Vorträge mit Rat und Tat unterstützt.

Anschließend informierte Herr Professor Bäumler über den aktuellen Stand der VDI-Richtlinie MT 5900. Zu Blatt 1, dem Grundlagenblatt für Sachverständige für Kraftfahrwesen und Straßenverkehr finden derzeit Gespräche bezüglich der Einsprüche statt. Mit der Redaktionskreisarbeit zu Blatt 2 (Schäden und Bewertung) soll im Lauf des Jahres mit möglichst allen marktrelevanten Teilnehmern begonnen werden. Blatt 3 (Unfallanalyse) wird derzeit im Redaktionskreis unter dem Vorsitz von Herrn Dipl.-Ing. Jörg Ahlgrimm erarbeitet.

Die ersten beiden Vorträge der 79. MAS-Fachtagung präsentierte Herr Prof. Dipl.-Ing. Karl-Heinz Schimmelpfennig. In seinem ersten Vortrag zeigte er anhand von Beispielfällen, wie wichtig es ist, ein Gutachten so zu erstellen, dass es für alle Beteiligten nachvollziehbar ist. Herr Professor Schimmelpfennig demonstrierte als Mittel zur Nachvollziehbarkeit von Gutachten den visuellen Vergleich von Schadenbildern z.B. durch Crashtests. Außerdem berichtete er über seine Leidenschaft für den Nutzfahrzeugbau. In seinem anschließenden Vortrag stellte Herr Professor Schimmelpfennig den energieabsorbierenden Heckunterfahrschutz vor, insbesondere, wie dieser die Energie eines auffahrenden Fahrzeugs über die Hinterachse des Lkw bzw. des Aufliegers ableitet und wie sich dadurch ein Unterfahren mit schwersten Verletzungen für die Insassen vermeiden lässt.

Elektromobilität beschäftigt nicht nur die Automobilindustrie, sondern stellt auch den Kfz-Sachverständigen vor immer neue Herausforderungen. Herr Dipl.-Ing. Carsten Reinkemeyer vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) informierte in seinem Vortrag über Schadenerfahrungen bei Elektrofahrzeugen und zeigte, dass sich das AZT intensiv mit der Technik, mit Schäden und mit dem reparieren von Elektrofahrzeugen beschäftigt. Herr Reinkemeyer berichtete, dass bei den bekannten Schadenfällen die Hochvoltanlage nur sehr selten direkt betroffen gewesen sei. Beim Laden von Elektrofahrzeugen am Hausanschluss ist zu beachten, dass die Strominfrastruktur eines Gebäudes oft nicht für die Dauerbelastung während des Ladevorgangs ausgelegt ist und es hierbei zu Beschädigungen am Gebäude kommen kann.

Der Morgen des Samstags begann mit einem Vortrag aus dem Hause HPI. Hier referierte Herr Georg Müller zunächst über die Entwicklung der lackschadenfreien Instandsetzung. Demnach hatten sich die ersten Firmen mit dieser Reparaturtechnik erst Mitte der Neunzigerjahre in Deutschland etabliert, obwohl bereits 1958 die ersten Dellen auf dem Genfer Autosalon „sanft“ instandgesetzt worden waren. Im Anschluss daran referierte Herr Bernd Schiffelholz, ebenfalls von der Firma HPI, über die Planung bei Großschadenereignissen von Wetterbeobachtungen über die Organisation bis hin zur Anmietung und Einrichtung einer entsprechenden Halle für die Instandsetzung der Fahrzeuge.

Beim Thema Datenschutz herrscht allgemein noch immer große Verunsicherung. Herr Thomas Wanjura von der Firma Projekt 29 berichtete über die DSGVO und illustrierte, dass die Thematik des Datenschutzes sehr ernst zu nehmen ist. Durch die Fragen der Tagungsteilnehmer konnten zusammen mit Herrn Wanjura tägliche Fälle aus der Praxis zum Thema Datenschutz in Sachverständigenbüros besprochen und diskutiert werden.

Vor der Mittagspause ging es am Samstag nochmals um Elektromobilität. Hierzu informierte Herr Andreas Schnitzler von der Volkswagen AG über aktuelle Neuerungen. Herr Schnitzler berichtete über den Werkstattablauf bei der Instandsetzung beschädigter Hochvoltfahrzeuge, insbesondere über die Gefahrenbewertung der Hochvoltbatterie und die Möglichkeit, von außen zerstörungsfrei einen Schaden an der Hochvoltbatterie erkennen zu können. Außerdem stellte Herr Schnitzler die neue „ID-Familie“ als Plattform für reinelektrische Fahrzeuge aus dem Volkswagenkonzern vor. Die ID-Fahrzeuge werden eine Batterie in der Bodengruppe und einen Heckmotor aufweisen; ihre Reichweite wird bei 330 bis 550 km liegen. Auch wurden die Problemfelder der Entsorgung sowie des Rohstoff-Abbaus für die Herstellung der Batterien angesprochen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Hotel-Restaurant lag der Fokus auf der Bewertung von Oldtimern. Dazu referierte Herr Professor Bäumler über die Bewertung eines Jaguar E-Type Roadster aus der Serie 3. Er stellte die Historie des E-Type Roadster vor und zeigte die Unterschiede der einzelnen Serien sowie die länderspezifischen Besonderheiten des E-Type auf. Außerdem wurden die Classic-Data-Zustandsnoten und die FIVA-Fahrzeugerhaltungsgruppen erläutert. Am Beispiel des E-Type erwies sich, die Schwierigkeit und Komplexität der korrekten Bewertung eines historischen Fahrzeugs.

Im Anschluss daran, berichtete Herr Dipl.-Ing. Peter Deuschle über die qualifizierte Bewertung von klassischen Fahrzeugen. Herr Deuschle ist Experte für historische Fahrzeuge. Er zeigte in seinem Vortrag, wie wichtig die richtige Identifizierung eines klassischen Fahrzeugs für dessen korrekte Bewertung ist und wies insbesondere darauf hin, dass der Sachverständige die Historie sowie den Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs genau beschreiben muss, um unter Berücksichtigung aller Faktoren eine korrekte Bewertung durchführen zu können.

Als smarte und clevere Online-Lösung für Gutachten, Restwerte und Check-Abfragen stelle Herr Lothar Rabeneik das webGATE von der Firma car.tv vor.

Zu einem ganz anderen Thema referierte Herr Dipl.-Ing. Michael Plank: Auf Scheiben von Kraftomnibussen werden öfters Werbe- oder Tönungsfolien angebracht. Busscheiben dienen im Notfall auch als Fluchtweg; hierzu müssen sie mit einem sogenannten Nothammer eingeschlagen werden. Herr Plank zeigte in seinem Vortrag durch eine eindrucksvolle Versuchsdokumentation, wie sich folierte Busscheiben beim Einschlagen mit dem Nothammer verhalten. So benötigt eine erwachsene unverletzte Person je nach verwendetem Nothammer und abhängig vom Folientyp bis über 2,5 Minuten, um die folierte Scheibe zu durchschlagen und so den Fluchtweg für die Insassen zu öffnen.

Durch manipulierte Verkehrsunfälle entsteht in Deutschland jährlich ein geschätzter Schaden von etwa vier Milliarden Euro. Herr Dr. Klaus-Dieter Brösdorf berichtete dazu in seinem Vortrag über die Möglichkeiten und Grenzen der technischen Schadenaufklärung. Anhand von vielen Beispielfällen demonstrierte er, mehrfach geltend gemachte Schäden, auffällige Anstoßkonstellationen und Wege wie modernste computergestützte Technik zur Schadenaufklärung beitragen kann. Nicht zuletzt erwies sich in diesem Referat, wie wichtig zur Aufklärung von Schadenfällen eine Besichtigung der beteiligten Fahrzeuge und der Schadenörtlichkeit ist.

Zum Abschluss der Tagung ging es um Unfallforschung. Herr Dr. Wolfram Hell aus der Abteilung Verkehrssicherheit des Instituts der Rechtsmedizin an der Ludwigs-Maximilians-Universität referierte über die Reduktion von Verkehrstoten und Wege zur „Vision Zero“. Herr Dr. Hell machte darauf aufmerksam, dass zur Vermeidung von schwersten Verkehrsunfällen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit insbesondere auch mit Straßenbauern und Stadtplanern erforderlich sei.

Im Rahmen der Frühjahrstagung fanden auch die Jahreshauptversammlung, eine Präsidiumssitzung sowie eine Sitzung des wissenschaftlichen Beirats statt. In der Jahreshauptversammlung wurden die Herren Diplomingenieure Bernhard Sönning, Christian Schnädelbach, Harald Thomas und Peter Stolle für ihre 30jährige Mitgliedschaft im MAS e.V. geehrt. Bereits in der Präsidiumssitzung der 77. Fachtagung war Herr Dr. Marc Trömner als Beisitzer in das Präsidium des MAS berufen worden. Der Diplomingenieur ist Präsident des ZAK e.V. – Zertifizierte und Anerkannte hauptberufliche Kfz-Sachverständige, von der IHK Wiesbaden öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden und Bewertung sowie Gesellschafter des Ingenieurbüros Gelbe + Kollegen in Wiesbaden. Auch wurde im letzten Jahr der Präsident des MAS e.V. als Gast zu den Präsidiumssitzungen des ZAK e.V. berufen. Diese Schritte bestätigen die über Jahrzehnte gute und konstruktive Zusammenarbeit zwischen ZAK e.V. und MAS e.V. Im Rahmen der Präsidiumssitzung der 78. Tagung wurde Herr Dipl.-Ing. Herbert Hößler ebenfalls als Beisitzer in das Präsidium des MAS e.V. berufen. Herr Hößler ist von der IHK Lahn-Dill öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Straßenverkehrsunfälle im Büro Gerich in Wettenberg bei Gießen und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des MAS e.V. Er hat bereits zahlreiche spannende Vorträge auf den Fachtagungen des MAS gehalten. Das Präsidium des MAS e.V. bedankt sich bei allen Teilnehmern, Referenten und Ausstellern für die gelungene und informative Frühjahrstagung und freut sich auf ein Wiedersehen auf der Herbsttagung 2019. Diese findet vom 04. bis 06. Oktober 2019 an bekannter Stelle in München statt.

Präsidium MAS e.V. März, 2019

Fotos von der 78. Fachtagung

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